Unser egoistisches Gehirn
Die Theorie des „Selfish Brain“ von Prof.Achim Peters / Uni Lübeck
Unser egoistisches Gehirn weist sich bei der Verteilung von Nahrung (Glukose/Zucker) die oberste Priorität zu und da sitzt es ja wohl ohne Frage am längsten Hebel.
Es bestimmt selbst, wann es sich die Energie aus dem Körper holt, wann es sich die Energie aus der nächsten Umgebung oder weiter entfernt holt. Hierbei ist es sehr anpassungsfähig und reagiert entsprechend der belastenden Situationen. Es sucht sich immer die einfachste und schnellste Möglichkeit. Bequeme ausgetretene Pfade verlässt es nur ungern.
Die normale Situation ist, dass sich das Gehirn von den anderen Organen die benötigte Energie holt (Allokation= Umverteilung). Ist nun unser sympathisches Nervensystem (=Sympatikus, erhöht die nach außen gerichtete Handlungsbereitschaft) geschwächt, kann dies ein Allokationsversagen auslösen, das heißt, nur ein geringer Teil der Energie gelangt zum Gehirn, der überwiegende Teil häuft sich stattdessen im Fett- und Muskelgewebe an.
Hervorgerufen wird dies z.B. meist durch dauerhaft nicht abbaubare Stresssituationen.
Für das von Unterversorgung bedrohte Gehirn wird nun Energie durch akute Nahrungsaufnahme beschafft. Es wird also gegessen, obwohl der Körper bereits gesättigt ist. – Das ist dann, der Zeitpunkt, wo man das Gefühl hat man sei Unterzuckert oder muß jetzt unbedingt einen Schokoriegel essen, sonst stirbt man.
Hier beginnt ein Teufelskreis, denn wieder gelangt nur sehr wenig Glukose zum Gehirn, während die Fettpolster sich weiter auffüllen. Übergewicht entsteht und im schlimmsten Fall, wenn die Speicher voll sind, sammelt sich die Glukose im Blut. Es kommt zur Überzuckerung – und zu Diabetes-Typ-2.- Schlimmstenfalls und wenn solche Situationen oft genug auftreten.
Dies ist eine Theorie, sie findet aber in der Fachwelt sehr viel Anklag und es wird im Hintergrund fleißig weitergeforscht und an passenden Therapiekonzepten gearbeitet. Aber wenn man bedenkt wie oft Theorien als Tatsachen in der Ernährungswissenschaft hingestellt werden, so finde ich jedenfalls diese Theorie ist es wert beachtet zu werden.
Besonders der Ansatz zur Hilfe ist bemerkenswert für den Willen abzunehmen, er heißt:
„train your brain“. Da unser bestes Stück lernfähig ist, kann man durch wiederholte Übungen zur Verhaltensänderung das Gehirn wieder in normale Bahnen lenken. Der weitere Schwerpunkt und die Vorsorge liegen im Verhaltenstraining für den Umgang mit Konflikten und Stresssituationen.
